• Artikel aus Monat:

  • Artikelkategorien

  • open panel

Auch moderater Alkoholkonsum verursacht Vorhofflimmern

Ein Glas RotweinNicht nur schwerer, auch mäßiger Alkoholkonsum begünstigt bei Patienten jenseits des 55. Lebensjahres mit Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen Vorhofflimmern.

In zwei große Studien (ONTARGET und TRANSCEND) wurden 30 433 Patienten (darunter 9064 Frauen) aufgenommen, die an kardiovaskulären Erkrankungen (ausgenommen Herzinsuffizienz) oder Diabetes litten und mindestens 55 (im Mittel 66) Jahre alt waren. Die Alkoholmenge war definiert als gering bei weniger als ein Glas Bier (355 ml), Wein (150 ml) oder ein hochprozentiges Getränk (45 ml) pro Woche, als mäßig bei 1–14 bzw. 1–21 Glas pro Woche bei Frauen bzw. Männern und als schwer bei mehr als 2 bzw. 3 Glas pro Tag für Frauen bzw. Männer. Wer gelegentlich bzw. auf Dauer mehr als 5 Getränke pro Tag konsumierte, galt als Rausch- bzw. Bingetrinker.

Während der Beobachtungsdauer trat bei 2093 Patienten elektrokardiografisch gesichertes Vorhofflimmern auf. Es ergab sich eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Alkoholmenge und Häufigkeit des Vorhofflimmerns, auch nach Berücksichtigung zahlreicher Einflussfaktoren einschließlich Alter. Schon mäßiger Konsum begünstigt diese Rhythmusstörung im Vergleich zu Gelegenheitstrinkern (s. Tab.). Bei mäßigen Trinkern erhöhte gelegentliches Rauschtrinken die Inzidenz auf das Niveau von schweren Alkoholikern. Bei geschlechtsspezifischer Klassifizierung des Konsums ist Vorhofflimmern bei Frauen mit geringem und mäßigen Konsum seltener, bei starkem Konsum jedoch häufiger als bei Männern.

Anzeige

 

Prof. Dr. med. H. Holzgreve, München

„Der Nettoeffekt von mäßigem Alkoholkonsum ist schwer abzuschätzen.“

Kommentar von Prof. H. Holzgreve

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum und gelegentliche Alkoholexzesse (Holyday-Heart-Syndrom) Herzrhythmusstörungen begünstigen. Die Häufigkeit von Vorhofflimmern in dem hier untersuchten Kollektiv mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko ist um ein mehrfaches höher als in der Allgemeinbevölkerung. Vor allem ist die absolute Zunahme von 2,8 Fällen pro 1000 Personenjahre zwischen Gelegenheitstrinkern und mäßigem Konsum bemerkenswert. Aufgrund dieser Daten muss man davon ausgehen, dass angesichts des hohen Anteils von Probanden mit mäßigem Konsum (36,6%) die Folgen nicht unerheblich sind. Dem steht der gut gesicherte Befund entgegen, dass mäßiger Alkoholkonsum vor kardiovaskulären Erkrankungen schützt. Der Nettoeffekt von mäßigem Alkoholkonsum ist schwer abzuschätzen.

Tabelle: Häufigkeit von Vorhofflimmern (pro 1000 Personenjahre) in Abhängigkeit vom Alkoholkonsum
Alkoholkonsum Männer Frauen
Gering (< 1 Glas/Woche) 15,4 12,6
Mäßig (1–21 bzw. 1–14 Glas/Woche) 17,8 15,9
Stark (> 3 bzw. 2 Glas/Tag) 18,5 20,0

publiziert am: 3.11.2012 18:00  Autor: Prof. Dr. med. H. Holzgreve (Internist, Kardiologische Praxis, München)  Quelle: MMW – Fortschritte der Medizin 2012; 154 (18): 38 basierend auf: Y. Liang et al. Alcohol consumption and the risk of incident atrial fibrillation among people with cardiovascular disease. Canad. Med. Ass. J. 2012. DOI:10.1503/cmaj.120412

 
© 2017 CARDIOHILFE