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Nach überstandenem Herzinfarkt | Exzessives Lauftraining nicht lebensverlängernd

Je mehr Sport, desto besser? Zumindest für Patienten mit Zustand nach Herzinfarkt gilt das nur bis zu einem bestimmten Schwellenwert. Jenseits davon steigt die kardiovaskuläre Mortalität wieder deutlich an.

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Laufen ist gut für Infarktpatienten – wenn es nicht um Höchstleistungen geht. © Marcel Mooij / fotolia.com

Patienten nach einem Myokardinfarkt sollen, zur Rehabilitation und langfristig, Ausdauersport betreiben. Europäische und amerikanische Leitlinien empfehlen pro Woche mindestens fünf Trainingseinheiten zu 30 Minuten bei mittlerer Belastung. Zahlreichen epidemiologischen Studien zufolge kann dadurch die kardiale Mortalität gesenkt werden. Dies wird im Prinzip auch durch eine aktuelle Studie aus den USA bestätigt: Bei Patienten mit durchgemachtem Herzinfarkt gab es umso weniger kardiovaskulär bedingte Todesfälle, je mehr Energie sie durch Joggen oder zügiges Gehen verbrauchten. Bei sehr hoher Belastung war allerdings ein Wiederanstieg der Sterblichkeit festzustellen. Lag die wöchentlich zurückgelegte Distanz bei den Joggern bei etwa 50 km und bei den Gehern bei etwa 75 km, hatten sie praktisch keinen Vorteil mehr gegenüber Patienten, die unter dem empfohlenen Aktivitätsniveau zurückblieben, wie Paul T. Williams vom kalifornischen Lawrence Berkeley National Laboratory und Kollegen berichten.

J-förmige Kurve

Die Ergebnisse beruhen auf prospektiv erhobenen Daten von 2377 Postinfarktpatienten. 526 von ihnen waren während der zehnjährigen Beobachtungszeit gestorben, davon 376 kardiovaskulär bedingt. Patienten, die, wie empfohlen, pro Tag 1,07–1,8 Met-h verbrauchten (1 MET-h entspricht in dieser Klientel etwa 1 km Joggen), hatten gegenüber den weniger Aktiven eine um 21% verminderte kardiovaskuläre Mortalität. Eine ähnliche Risikoreduktion (–24%) wurde mit einer Belastung von 1,9–3,6 MET-h/d erreicht. Mit 3,6–5,4 MET-h/d ging die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit sogar um 50% und mit 5,4–7,2 MET-h/d um 63% zurück. Bei Werten ab 7,2 MET-h/d – immerhin 6% der Patienten machten so intensiv Sport – war das Risiko jedoch nicht mehr signifikant niedriger als bei mangelnder sportlicher Betätigung.

Anders ausgedrückt: Unterhalb von 7,2 MET-h/d sank die kardiovaskuläre Sterblichkeit mit jeder MET-h/d mehr um durchschnittlich 15%. Oberhalb von 7,2 MET-h/d war das Risiko dagegen 2,6-mal so hoch wie mit 7,2 MET-h/d.

Kein Unterschied zwischen Joggern und Gehern

Ob die Patienten nun schnell gingen oder rannten, spielte keine Rolle. Mit beiden Bewegungsformen wurden weitgehend identische Ergebnisse erzielt, sofern gleich viel Energie verbraucht wurde. „Das heißt allerdings, dass man gehend etwa 50% längere Strecken zurücklegen und etwa doppelt so viel Zeit aufwenden muss, um den gleichen Effekt zu erzielen“, so Williams und Kollegen.

Für den Wiederanstieg der kardiovaskulären Mortalität bei hoher Belastung waren, wie eine weitere Analyse zeigte, vor allem ischämische Herzerkrankungen verantwortlich. Todesfälle in Zusammenhang mit Arrhythmien nahmen nicht zu, ebenso wenig Todesfälle ohne kardiovaskuläre Ursache. Williams et al. vermuten daher, dass es bei längerer und starker körperlicher Anstrengung vermehrt zu Plaquerupturen kommen könnte.

publiziert am: 13.8.2014 17:00  Autor: Dr. Beate Schumacher  Quelle: springermedizin.de basierend auf: Williams PT. Increased Cardiovascular Disease Mortality Associated With Excessive Exercise in Heart Attack Survivors. Mayo Clin Proc 2014; online 12. August 2014

 
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