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Kardiotoxische Chemotherapie | Konsensuspapier: Echokardiografie bei Krebspatienten

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© Klaus Rose

Krebspatienten sterben häufig an einer Herzerkrankung. Um kardiotoxische Folgen einer Chemotherapie früh zu erkennen, sollte eine Echokardiografie bei möglichst allen Krebspatienten durchgeführt werden. Das empfehlen zwei Fachgesellschaften nun in einem Konsensuspapier.

Überleben Patienten eine Krebserkrankung, haben sie danach nicht selten mit den Folgen der Chemotherapie zu kämpfen, etwa wenn Krebsmedikamente wie Doxorubicin oder Trastuzumab kardiale Dysfunktionen verursachen.

Solche kardiotoxischen Komplikationen gilt es, möglichst frühzeitig zu erkennen. Die American Society of Echocardiography und die European Association of Cardiovascular Imaging haben nun in einem Konsensuspapier Empfehlungen ausgesprochen, welche Methoden sich bei Krebspatienten vor, während und nach einer kardiotoxischen Chemotherapie zur Beurteilung kardialer Parameter eignen.

Eckpfeiler der kardialen Bildgebung

Das Autorenteam um Dr. Juan Carlos Plana von der Cleveland Clinic in Ohio spricht sich darin für eine ganzheitliche Vorgehensweise aus, die bildgebende Verfahren und die Analyse von Biomarkern beinhalten sollte.

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Die Echokardiografie stellt den Experten zufolge den Eckpfeiler für die bildgebende Untersuchung kardialer Strukturen dar und sollte deshalb vor, während und nach der Chemotherapie erfolgen. Diese Untersuchung sei flächendeckend verfügbar, leicht zu wiederholen, vielseitig einsetzbar, komme ohne Strahlenbelastung aus und sei auch bei Patienten mit begleitenden Nierenerkrankungen sicher anwendbar.

Kardiales „Baseline Assessment“

Als tumortherapie-spezifische kardiale Dysfunktion (Cancer Therapeutics–Related Cardiac Dysfunction, CTRCD) definieren die Experten eine Senkung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) um mehr als zehn Prozentpunkte auf einen Wert unter 53 Prozent.

Ein kardiales Assessment sei für alle Patienten zu empfehlen, bei denen eine kardiotoxische Chemotherapie begonnen wird, insbesondere für solche Patienten, die schon kardiovaskuläre Erkrankungen oder linkventrikuläre Dysfunktionen hatten, die über 65 Jahre alt sind, und wenn eine höhere Dosis als 350 mg/m² eines kardiotoxischen Medikaments (z.B. Doxorubicin) oder eine Kombination aus zwei Krebsmedikamenten eingesetzt wird.

Sinnvoll für dieses „Baseline Assessment“ ist Plana und Kollegen zufolge eine Elektrokardiografie, mit der sich potenzielle kardiale Rhythmusstörungen und Ischämien detektieren lassen sowie der Einsatz eines bildgebenden Verfahrens (üblicherweise eine Echokardiografie), um kardiale Struktur und Funktion zu beurteilen.

Die LVEF solle mit der bestmöglichen im Echokardiografie-Labor verfügbaren Methode gemessen werden, idealweiser mit einem 3D-Echo, führen sie weiter aus.

Messung von LVEF, GLS und Toponin

Zudem empfehlen sie die Messung eines myokardialer Verformungsparameters, des global longitudinal strain (GLS), um subklinische linksventrikuläre Dysfunktionen beurteilen zu können und/oder eine Analyse der Troponin-Level (Biomarker für myokardiale Schädigung).

Bei LVEF unter 53 Prozent, bei abnormalen GLS oder erhöhten Troponin-Level müsse man einen Kardiologen hinzuziehen, empfehlen die Autoren. Die einzelnen Messungen gilt es, je nach Art der Chemotherapie und Dosis nach einer bestimmten Zeit zu wiederholen.

Die Vorteile weiterer bildgebender Verfahren, z. B. eines Stress-Echos und Kontrast-Echos, werden ebenfalls in dem Konsensuspapier diskutiert.

publiziert am: 16.10.2014 11:00  Autor: Veronika Schlimpert  Quelle: springermedizin.de basierend auf: Juan Carlos Planaet al. Expert Consensus for Multimodality Imaging Evaluation of Adult Patients during and after Cancer Therapy: A Report from the American Society of Echocardiography and the European Association of Cardiovascular Imaging, J Am Society of Echocardiography 2014:27:911-39

Quelle: springermedizin.de Quellendetails
 
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