• Artikel aus Monat:

  • Artikelkategorien

  • open panel

Aggressive Blutzucker-Senkung | Doch Vorteile fürs Herz?

Wegen erhöhter Mortalität war die ACCORD-Studie vorzeitig beendet worden. Die Ursachen der erhöhten Sterberate bleiben unklar.

HAMILTON. Warum in der ACCORD-Studie die strenge Einstellung auf unter 6 Prozent HbA1c so schlecht abgeschnitten hat, ist ungeklärt. Die Gesamtmortalität in der Verumgruppe lag nach 3,7 Jahren zwar um 20 Prozent höher als in der Kontrollgruppe mit 7,0-7,9 Prozent HbA1c.

Allerdings: Die erhöhte Sterberate bei intensiver Therapie war nicht durch ischämischen Koronarereignisse bedingt. Die 5128 aggressiv behandelten Patienten wurden damals auf das liberalere HbA1c-Ziel umgestellt; die Fünf-Jahres-Daten sind jetzt publiziert worden (Lancet 2014; 384: 1936).

Patienten mit initial intensiver HbA1c-Senkung hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe 16 Prozent weniger Herzinfarkte (304 vs. 355), 19 Prozent weniger nicht-tödlicher Infarkte (287 vs. 344), 19 Prozent weniger Betroffene mit instabiler Angina pectoris (202 vs. 245) und 16 Prozent weniger koronare Revaskularisationen (565 vs. 658).

Die Zahl tödlicher Infarkte war bei intensiver Therapie zwar etwas erhöht (24 vs. 14). Das Ergebnis war aber statistisch nicht-signifikant.

„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass zuckersenkende Interventionen auch das KHK-Risiko mindern“, schreiben jetzt die Studienautoren um Professor Hertzel C. Gerstein von der McMaster University in Hamilton.

Sie räumen jedoch ein, dass ihre Einschätzung der erhöhten Sterberate bei intensiver blutzuckersenkender Therapie widerspricht. Zahlen zur Mortalität nach fünf Jahren nennen sie nicht.

Die Aussagekraft der Daten ist auch dadurch limitiert, dass es sich um eine vorab nicht geplante Analyse handelt.

Dennoch sind die Autoren zuversichtlich, „wenn die Beziehung weiter untersucht wird, Personen identifizieren zu können, bei denen der Nutzen einer strengen glykämischen Kontrolle den Schaden überwiegt“. (bs)

 
© 2017 CARDIOHILFE